Negativzins: Wie funktioniert das?

Am Ende mehr Geld in der Tasche als vorher: Kredite mit sogenannten Negativ- oder Minuszins sollen das ermöglichen. Aber was springt für die Kreditgeber dabei raus? Jede Menge Kundendaten auf einen Schlag. Und das auch von abgewiesenen Kreditsuchenden.

Negativzinsen bedeuten, dass der Kreditnehmer letzten Endes weniger Geld zurückzahlen muss, als er anfangs erhalten hat. Aber wie kann das funktionieren?

Alle großen Online-Kreditvermittlungsplattformen bieten dieses ungewöhnliche Angebot mittlerweile an: Smava, Check24, Finanzcheck.de. Letztere sorgte Anfang März für Aufsehen aufgrund eines 1.000 Euro-Kredit-Angebots, das komplett ohne Rückzahlung vergeben wurde.

Der harte Wettkampf von Online-Anbietern

Zwar steigt die Zahl an online abgeschlossenen Kreditbeantragungen stetig an, dennoch überwiegt heutzutage noch die klassische Kreditvergabe vor Ort in Banken mit insgesamt 60 Prozent aller abgeschlossenen Kredite. Dadurch wird deutlich, welch harter Wettbewerb zwischen den unzähligen Online-Kreditanbietern herrscht. Dieser Wettbewerb zieht eben diese extremen Negativzins-Angebote nach sich, die einzelnen Anbieter müssen sich schließlich irgendwie von der Konkurrenz abheben.

Das Inkrafttreten der EU-Zahlungsrichtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) im Jahr 2018 verpflichtete Banken, Kundendaten und Kontozugriffsrechte an regulierte Drittanbieter weiterzugeben. Basierend auf diesen Kundendaten können diese Drittanbieter seitdem selbstständig Finanzdienstleistungen anbieten. Aber was resultiert aus diesem Zusammenspiel? Kreditvermittler versuchen, sämtliche Kundendaten einzuholen, um diese weitergeben zu können. Natürlich muss der Kunde dem Ganzen erstmal zustimmen, aber oft wird dies gern in Kauf genommen, wenn dabei ein super günstiger Kredit ohne Rückzahlung und sogar inklusive Geld-Zurück-Versprechen rausspringt.

Letzten Endes kostet die Kreditkunden diese Art von Kreditangebot der Verlust der Privatsphäre in Punkto persönliche Finanzen. Der Vermittler kommt für den Verlust der Zinsen auf – Gegenleistung: wertvolle Leads zu den Kunden. Hinzukommt, dass nur ein Bruchteil der Interessenten das Mega-Angebot auch bekommt: nur Kunden mit sehr guter Bonität haben eine Chance auf Negativzins-Kredite. Es erfolgt vorher eine klassische Bonitätsprüfung.  Diejenigen, die für die besagten Kredite nicht in Frage kommen, werden daraufhin mit anderen, schlechteren Kreditangeboten abgespeist.   

Unser Fazit: bevor die Annahme solcher Kreditangebote in Erwägung gezogen wird, sollte stets der persönliche Datenschutz reflektiert werden. Bin ich dazu bereit, meine intimsten persönlichen Daten preiszugeben?

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